Pressekonferenz der Gebrdensprachfilmwoche

am 04. September 2013

84 Jahre Kinogeschichte und das erste Filmfestival in Gebärdensprache · Der Beginn einer Tradition · Taube und Hörende gemeinsam im Kino · vom Festival zu mehr Film

Noch drei Wochen bis zur Eröffnungsfeier unserer Gebärdensprachfilmwoche. Dem ersten Filmfestival Deutschlands, das ausschließlich Filme zeigt in Gebärdensprache, über Gehörlosenkultur und von tauben Künstlern selbst gedreht.
Um die letzten Wochen einzuläuten, Vorfreude zu stiften und um zu informieren, haben wir am 04. September um 11:30Uhr in das bekannte Kino Babylon -in dem wir auch die Gebärdensprachfilmwoche (GSFW) veranstalten– zu unserer Pressekonferenz eingeladen.
BildEingeladen waren Vertreter von Zeitung, Funk und Fernsehen. Als geladene Gäste sprachen Fernando Huerta, Vertreter des Kino Babylon, Vera-Kristin Kögler und Andreas Döltgen, verantwortlich für die Projektleitung der GSFW, sowie Okan Seese, bekannter tauber Künstler.
BildLutz Pepping moderierte die Konferenz.

Seit 1929  eröffnet, hat das Kino Babylon viele Kinopremieren gesehen und etliche Filmfestivals zu Gast gehabt.
Nun ist es Gastgeber des 1. gebärdensprachigen Filmfestival Deutschlands.
Wir freuen uns mit der GSFW im Herzen Berlins zu sein und möchten von dort den ersten Schritt machen, auf dem weitere Filmfestivals in Gebärdensprache folgen und das auch dazu inspirieren soll selbst Filme in Gebärdensprache zu produzieren.
Auf der GSFW werden 44 Filme zu sehen sein, die aus insgesamt acht Ländern stammen und nicht nur Filme in deutscher Gebärdensprache, sondern auch in beispielsweise japanischer, australischer und türkischer Gebärdensprache zeigen. Andreas Döltgen berichtete darüber wie es war rund um den Globus kommunizieren zu müssen, um all diese Filme zu bekommen. Es werden Filme verschiedensten Genres zu sehen sein, was Actionfilme ebenso einschließt wie Dokumentar- und Kinderfilme.
Speziell Filme für Kinder in Gebärdensprache werden bisher kaum produziert, weshalb wir uns besonders freuen dennoch welche zeigen zu können und gerade tauben Kindern endlich auch auf der Leinwand Identifikationsfiguren zu bieten.

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Aber natürlich sind hörende Zuschauer*Innen genauso eingeladen wie taube, denn unser Filmfestival soll für möglichst alle Menschen offen sein und endlich den Raum geben gemeinsam im Kino zu sein. Egal ob im normalen Kino, auf der Berlinale oder einem Filmabend im der Kneipe, Untertitel fehlen fast immer und verwehren damit tauben Menschen den Zugang zum Medium Film. Dabei sind ja speziell Filme, ins besonderen mit ihren Wurzeln im Stummfilm, das visuelle Medium überhaupt und müssten tauben Menschen barrierefrei zugänglich sein.
Unser Festival in Gebärdensprache und zusätzlichen deutsch bzw. englischen Untertiteln, soll nun der Beginn einer Kino-Ära werden, in der alle Menschen gemeinsam ins Kino gehen und genießen können. Das ist auch die Motivation die Vera-Kristin Kögler, Projektleiterin und Geschäftsführung der Sinneswandel gGbmh, dazu motiviert hat die GSFW ins Lebens zu rufen.

Okan Seese, tauber Künstler der bereits in mehreren Film- und Serienproduktionen mitgespielt hat, weiß auch von den Schwierigkeiten zu berichten, mit denen taube Schauspieler*Innen konfrontiert werden wenn sie anspruchsvolle Rollen suchen. Oft sind diese auf den Fokus von Taubheit beschränkt oder nur mit gesonderter Förderung von Menschen mit Behinderungen möglich.
Wir wollen aber endlich raus aus der Abhängigkeit solcher speziellen Förderungen und der damit verbundenen permanenten Separierung von allen anderen Filmen und Medien.
Für einen Film in Gebärdensprache sollte genauso die allgemeine Filmförderung in Frage kommen, wie sie es allgemein für Filme in Lautsprache ist. Unabhängig von Themen und Genre.

Pressemappe 2013Wir wollen Filme machen. Wir wollen Filme sehen. Mit allen zusammen, unseren Familien und Freunden. Wir wollen unsere Gebärdensprache auf der Leinwand sehen, wir wollen Dramen, Krimis, Dokus, Komödien und auch Filme über unseren Alltag.
Wir verstecken uns nicht, sondern zeigen all diese Filme im Herzen von Berlin.
Wir wollen zeigen, dass Filme in Gebärdensprache ein bisher unentdeckter Schatz sind, ein Genre das unsere Aufmerksamkeit verdient hat, sich durch viele Besonderheiten auszeichnet. Und wir wollen Inspiration stiften, für noch mehr Filme in Gebärdensprache.